Kaum ein Begriff wird so schnell verwendet wie „Mobbing“ – und kaum einer ist so schwer zu fassen. Wer einmal blöd angemacht wurde oder sich ausgeschlossen fühlt, fragt sich: Ist das schon Mobbing oder nur ein dummer Spruch? Dieser Ratgeber gibt eine klare Definition, zeigt die typischen Muster und hilft Ihnen, echte Mobbinghandlungen von Konflikten und Sticheleien zu unterscheiden – mit konkreten Beispielen, Merkmalen und Wegen zur Hilfe.

Betroffene in Deutschland: ca. 10–15 % der Erwerbstätigen ·
Häufigster Ort: Arbeitsplatz und Schule ·
Typische Dauer: mindestens 6 Monate systematisch ·
Häufigste Form: verbale und psychische Angriffe

Kurzüberblick

1Was ist Mobbing?
2Häufigste Mobbing-Arten
  • Psychisches/verbales Mobbing (beleidigen, demütigen) (Malteser)
  • Soziales Mobbing (ausschließen, Gerüchte streuen) (Plan International)
  • Physisches Mobbing (Gewalt, Sachbeschädigung) (Malteser)
3Mobbing erkennen
4Was tun bei Mobbing?

Fünf zentrale Fakten, die das Phänomen Mobbing auf den Punkt bringen – von der Definition bis zu den rechtlichen Rahmenbedingungen.

Merkmal Beschreibung
Definition Mobbing ist systematische, wiederholte Schikane über einen längeren Zeitraum mit Machtgefälle.
Betroffenengruppen Erwachsene am Arbeitsplatz, Kinder und Jugendliche in der Schule
Häufigste Mobbingform Psychisches Mobbing (verbale Angriffe, Beleidigungen, soziale Ausgrenzung)
Rechtliche Einordnung Mobbing ist kein eigener Straftatbestand, aber Handlungen können strafbar sein (Beleidigung, Nötigung, Körperverletzung).

Was ist Mobbing genau?

Definition von Mobbing

  • Mobbing ist kein einmaliger Vorfall, sondern ein wiederholtes, gezieltes Schikanieren oder Ausgrenzen über einen längeren Zeitraum (Malteser).
  • Die ständige Wiederholung von Ablehnung, Bedrohung und Gewalt kennzeichnet Mobbing (Familienratgeber).
  • Plan International beschreibt Mobbing als wiederholtes, absichtliches Wehtun oder schlechtes Behandeln durch eine Person oder Gruppe (Plan International).

Zentral ist immer: Es passiert systematisch, über Wochen oder Monate hinweg, und der Täter hat eine stärkere Position – etwa durch Gruppendruck oder hierarchische Überlegenheit.

Abgrenzung zu Konflikt und Stichelei

  • Einmalige Lästerei, ein Schubser oder eine einzelne Pöbelei gelten noch nicht als Mobbing (Malteser).
  • Ein Konflikt zwischen gleich starken Parteien ist kein Mobbing – erst wenn eine Seite dauerhaft unterlegen ist, wird es systematisch (Schulpsychologie.at).
  • Der Unterschied liegt in der Wiederholung und der Absicht zu schaden.
Fazit: Mobbing ist keine einmalige Aktion, sondern ein wiederholtes Machtspiel. Eine einzelne Unhöflichkeit ist noch kein Mobbing – die Häufigkeit und Systematik machen den Unterschied.

Welche 3 Arten von Mobbing gibt es?

Verbales/psychisches Mobbing

  • Beschimpfungen, Beleidigungen, Demütigungen – die häufigste Form (Malteser).
  • Dazu gehören auch abfällige Blicke, Tuscheleien und Nachäffen (Malteser).
  • Laut dem Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen sind Angriffe auf das soziale Ansehen eine typische Form am Arbeitsplatz (Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen).

Psychisches Mobbing ist die am weitesten verbreitete Form und wird oft nicht als solche erkannt, weil sie subtil wirkt.

Soziales Mobbing (Ausschluss, Gerüchte)

  • Eine Person wird absichtlich ausgeschlossen oder schlecht behandelt (Plan International).
  • Passives Mobbing bedeutet, dass die betroffene Person ignoriert oder ausgegrenzt wird (Malteser).
  • Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt soziales Mobbing als „wie Luft behandelt werden“ oder ständige Anspielungen (Bundesagentur für Arbeit).

Physisches Mobbing

  • Regelmäßige Schubsereien, Tritte und Schläge (Malteser).
  • Auch Sachbeschädigung und Androhung von Gewalt zählen dazu (Plan International).
  • Physische Übergriffe sind strafbar als Körperverletzung – unabhängig davon, ob sie im Rahmen von Mobbing geschehen.
Die Paradoxie

Die häufigste Mobbingform ist zugleich die unsichtbarste: Psychische Angriffe hinterlassen keine blauen Flecken, aber tiefe Narben. Wer sie erkennt, kann früher eingreifen.

Was sind typische Merkmale von Mobbing?

Systematische Wiederholung

  • Mobbing geschieht über längere Zeit – die Schulpsychologie spricht von mindestens sechs Monaten (Schulpsychologie.at).
  • Die Handlungen wiederholen sich in einem Muster und sind nicht auf einen Einzelfall beschränkt.

Machtungleichgewicht

  • Täter haben oft eine stärkere Position, sei es durch Gruppenzugehörigkeit, Hierarchie oder körperliche Überlegenheit (Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen).
  • Das Opfer kann sich allein nicht wehren – das Ungleichgewicht ist konstitutiv.

Negative Folgen für das Opfer

  • Psychische Belastung, soziale Isolation, Leistungsabfall (Familienratgeber).
  • Mobbing kann Kinder und Jugendliche krank machen (Familienratgeber).
  • Am Arbeitsplatz sind sinkende Motivation und innere Kündigung typische Anzeichen.
Fazit: Drei Merkmale grenzen Mobbing von normalen Konflikten ab: Wiederholung, Machtgefälle und schädigende Wirkung. Fehlt eines, ist es in der Regel kein Mobbing.

Was gilt nicht als Mobbing?

Einmalige Konflikte oder Auseinandersetzungen

  • Ein einzelner Streit zwischen gleichrangigen Personen ist kein Mobbing (AlertForce).
  • Auch eine einmalige Beleidigung oder ein Schubser fallen nicht unter die Definition, solange sie nicht Teil eines Musters sind.

Kritik an der Arbeitsleistung

  • Sachliche Kritik oder eine berechtigte Abmahnung sind kein Mobbing (Bundesagentur für Arbeit).
  • Der Arbeitgeber hat das Recht, Leistungsdefizite anzusprechen – das ist keine Schikane.

Unhöflichkeit ohne System

  • Einmalige Unhöflichkeit, ein vergessener Gruß oder eine unbedachte Bemerkung sind noch kein Mobbing (Malteser).
  • Erst wenn die Handlungen wiederholt, absichtlich und schädigend sind, liegt Mobbing vor.

Die Abgrenzung ist wichtig: Wer jeden Konflikt als Mobbing bezeichnet, verwässert den Begriff und erschwert Betroffenen den Zugang zu ernsthafter Hilfe.

Welche Hilfe gibt es bei Mobbing?

Mobbing erkennen – Checkliste für Betroffene

  • Selbstbeobachtung: Führen Sie ein Tagebuch und dokumentieren Sie konkrete Vorfälle mit Datum, Uhrzeit, Beteiligten und Zeugen (Familienratgeber).
  • Prüfen Sie anhand der Hensche-Liste: Beleidigungen, Tätlichkeiten, Anschreien, Zuweisung sinnloser Aufgaben, Ausschluss von Kommunikation (Hensche Rechtsanwälte).
  • Fragen Sie sich: Ist die Handlung wiederholt, absichtlich und schädigend? Dann ist es wahrscheinlich Mobbing.

Schritte zur Gegenwehr

  1. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson – Vorgesetzten, Lehrkraft, Betriebsrat oder Schulpsychologen (Bundesagentur für Arbeit).
  2. Suchen Sie Beratung: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (0571 220 44 00) bietet anonyme, mehrsprachige Hilfe (Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen).
  3. Dokumentieren Sie weiter und wenden Sie sich ggf. an eine Mobbingberatungsstelle oder einen Anwalt für Arbeitsrecht.

Beratungsstellen und Hotlines

  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016 (kostenlos, anonym, mehrsprachig) (Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen).
  • Schulpsychologie an fast allen deutschen Schulen und in jedem Bundesland (Schulpsychologie.at).
  • Betriebsrat oder Personalrat als erste Anlaufstelle im Betrieb.
Der Hebel

Wer Mobbing meldet, hat oft Angst vor Eskalation. Doch die Erfahrung zeigt: Je früher Betroffene Hilfe suchen, desto eher stoppt das Mobbing. Dokumentation ist der Schlüssel – sie macht Angriffe beweisbar.

Bestätigte Fakten

  • Mobbing umfasst wiederholte, systematische Handlungen mit Machtungleichgewicht.
  • Psychisches/verbales Mobbing ist die häufigste Form.
  • Mobbing kommt am Arbeitsplatz und in der Schule besonders häufig vor.

Was unklar ist

  • Die genaue Dunkelziffer der Mobbingbetroffenen ist unbekannt, da viele Fälle nicht gemeldet werden.
  • Die Wirksamkeit spezifischer Präventionsprogramme variiert je Umfeld.

Stimmen zum Thema

„Mobbing ist ein spezielles aggressives Verhalten, das über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder gegenüber einem Mitschüler gezeigt wird.“

– Schulpsychologie.at

„Typische Mobbinghandlungen sind Demütigungen, falsche Tatsachenbehauptungen und die Zuweisung sinnloser Aufgaben.“

Wikipedia (Artikel Mobbing)

„Die Prüfliste nach Hensche hilft Betroffenen, konkrete Handlungen wie Beleidigungen, Tätlichkeiten und Anschreien zu identifizieren.“

Hensche Rechtsanwälte

Mobbing ist kein unvermeidbares Übel. Wer die Merkmale kennt, kann früher reagieren – und Betroffene müssen nicht allein bleiben. Für Menschen in Deutschland, die unter Mobbing leiden, ist der Weg klar: Hilfe holen, dokumentieren und sich nicht isolieren lassen. Wer schweigt, gibt dem Täter recht – wer spricht, schafft sich Verbündete.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Mobbing und einem Konflikt?

Ein Konflikt ist eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe, die einmalig oder vorübergehend sein kann. Mobbing ist systematisch, wiederholt und von einem Machtungleichgewicht geprägt. Der Konflikt kann eskalieren, wird aber nicht gegen eine dauerhaft unterlegene Person geführt.

Kann Mobbing auch online stattfinden (Cybermobbing)?

Ja, Cybermobbing ist eine Form von Mobbing, die über das Internet oder soziale Medien stattfindet. Dazu gehören gemeine Nachrichten, das Verbreiten von Gerüchten oder das Teilen von bloßstellenden Fotos (Plan International).

Welche Folgen hat Mobbing für die psychische Gesundheit?

Mobbing kann zu Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen und sozialer Isolation führen. Bei Kindern und Jugendlichen sind auch Schulvermeidung und Leistungsabfall typisch (Familienratgeber).

Ab wann ist Mobbing strafbar?

Mobbing als solches ist kein eigener Straftatbestand. Einzelne Handlungen wie Beleidigung (§185 StGB), Nötigung (§240 StGB) oder Körperverletzung (§223 StGB) können jedoch strafbar sein. Auch eine Stalking-Anzeige (§238 StGB) kommt in Betracht, wenn die Handlungen wiederholt belästigend sind.

Was können Arbeitgeber gegen Mobbing tun?

Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Beschäftigten vor Mobbing zu schützen (§ 4 ArbSchG). Sie können Anti-Mobbing-Richtlinien erlassen, Schulungen anbieten und eine klare Beschwerdestelle einrichten. Bei Verstößen drohen Abmahnung, Versetzung oder Kündigung des Täters.

Gibt es in Deutschland ein spezielles Gesetz gegen Mobbing?

Nein, es gibt kein eigenes „Mobbinggesetz“. Betroffene können sich aber auf das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG), das Arbeitsrecht und das Strafrecht berufen. Im Betrieb gilt die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

Wie erkenne ich, ob mein Kind gemobbt wird?

Achten Sie auf plötzliche Schulverweigerung, Bauchschmerzen, Rückzug von Freunden, zerrissene Kleidung oder unerklärliche Verletzungen. Sprechen Sie Ihr Kind behutsam an und wenden Sie sich bei Verdacht an die Schulpsychologie oder eine Beratungsstelle (Familienratgeber).

Sollte ich Mobbing immer sofort melden oder erst dokumentieren?

Beides schließt sich nicht aus. Dokumentieren Sie jeden Vorfall schriftlich, aber suchen Sie zeitnah das Gespräch mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle. Eine Dokumentation hilft, das Muster zu erkennen und Beweise zu sichern – sie ersetzt aber nicht die externe Hilfe.